Gates-Ausstieg könnte Microsoft schaden

Wie der Microsoft-Gründer gegenüber der International Herald Tribune sagte, werde er zum geplanten Zeitpunkt gehen, wie angekündigt. Doch die Branche ist überzeugt, dass sich dies als Fehler erweisen könnte. Spekulationen, ob er sich überhaupt an den Plan hält, kursieren ebenfalls seit einem öffentlichen Auftritt von Gates vergangene Woche.

Der 51-Jährige hatte auf einer Konferenz vor Analysten für den vor 32 Jahren gegründeten Konzern einen Zeitplan aufgestellt, der als Zehn-Jahres-Plan weit über den Rücktritt von Gates hinausgeht. Und die Anzeichen dafür, dass er sich zurückziehen kann, sucht die Branche ebenfalls noch. Zu tief verwurzelt zeigte er sich demnach in die technischen und strategischen Pläne des Konzerns. Er sprach von einer Breitbandwelt, in der die Anwendungen, Menschen und Dinge sowie die einzelnen Aufgaben und Prozesse miteinander verknüpft sind und davon, wo Microsoft an jedem einzelnen Punkt Produkte bringen könne.

Doch trotz seiner regelmäßigen Teilnahme an strategischen Sitzungen habe er bereits begonnen, sich zurückzuziehen, sagte er. Zu der Gefahr die von einer sich zuspitzenden Konfrontation mit Google ausgehen könnte, von der Ansicht der Wall Street, die Microsoft als alten Hut betrachtet, will er nichts wissen. Und all dies werde auch keinen Einfluss auf seine Entscheidung haben. Er weiß augenscheinlich gute Leute mit strategischem Blick und dem Wohl des Konzerns im Herzen an Bord. Craig Mundie und Ray Ozzie – Top-Manager und Microsoft-Veteranen –, die ihn bei dem Interview begleiteten, machten ebenfalls klar, dass die Nachfolge geregelt sei und sich der Scheidende keine Sorgen um seine Firma machen müsse.

Sicher sei es schwer, bei andauernden Herausforderungen und spannenden Aufgaben tatsächlich zu gehen, doch die Entscheidung sei gefallen. Gates habe seinen Rückzug bereits angetreten. Mundie sagte, dass dieser Rückzug in der ersten Phase sehr reibungslos gegangen sei. Es würde demnach eine viel größere Gefahr darstellen, wenn Gates weiter schwerwiegende Entscheidungen treffen würde, ohne ins Tagesgeschäft involviert zu sein. Doch da habe die Firma vorgebaut und eine vernünftige, stufenweise Ablösung gesichert. Es werde nicht passieren, dass Gates plötzlich als Chef reaktiviert werde. Allerdings sagte Gates selbst, er werde auch in seiner neuen Rolle als Chairman einige Bereiche, auch strategisch, ”ohne Zeitvorgabe” im Auge behalten. In Mundies Worten heißt dies ”Special Project Mode”. Das Tagesgeschäft werden aber andere Manager leiten und verantworten. Vista-Probleme hin, Google-Macht her.

Silicon-Redaktion

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