silicon.de: Hat ein Land ein Anti-Spam-Gesetz, das Sie als vorbildlich erachten?

Rothe: Viele westliche Länder, so die meisten EU-Staaten, aber auch die USA und Kanada, haben mittlerweile gesetzliche Regelungen, die sich am oberen Ende dessen bewegen, was möglich ist. Letztlich lässt sich Spam aber auch mit dem besten Anti-Spam-Gesetz nicht bekämpfen. Gesetzliche Maßnahmen können im besten Fall schmerzhafte Nadelstiche versetzen und das öffentliche Bewusstsein für die von Spam ausgehenden Gefahren schärfen.

silicon.de: Könnten vielleicht eine Art ‘Interpol gegen Spam’ helfen, eine internationale Anti-Spam-Behörde?

Rothe: Eine internationale Zusammenarbeit ist sicher ebenso wünschenswert wie eine stärkere Harmonisierung gesetzlicher Regelungen. Heute sind Spammer, die vom Ausland aus operieren, noch immer weitgehend vor Verfolgung geschützt. Wenn ihnen diese Schutzräume genommen werden, steigen nicht nur die Chancen, Spammer strafrechtlich belangen zu können – es wird auch viele Trittbrettfahrer und Amateur-Spammer abschrecken. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen sollte man aber nicht überschätzen: Aufgrund der Struktur heutiger Botnets sind die eigentlichen Hintermänner heute nur noch sehr schwer und mühsam zu identifizieren.

silicon.de: Anti-Spam-Lösungen wie Microsofts Sender ID oder Yahoos Domainkeys scheinen ja auch nicht den Durchbruch gebracht zu haben?

Rothe: Diese Verfahren werden leider immer wieder – auch in der Community – fälschlich als Anti-Spam-Technologien bezeichnet. Verfahren wie DKIM und SPF dienen der Validierung einer E-Mail Adresse beziehungsweise des Domainnamens, um das Fälschen der Absenderadresse zu verhindern. Dadurch soll beispielsweise das Phishing erschwert werden.

Allerdings hat man nicht bedacht, dass sich Phishing-E-Mails auch mit validierten Adressen verschicken lassen. Durch eine erfolgreiche Validierung wähnen sich nicht wenige E-Mail-Nutzer in falscher Sicherheit. Insgesamt wurde hier sehr viel Aufwand betrieben, um völlig neue und zudem konkurrierende Verfahren zu etablieren, ohne die Chance zu erkennen, das gleiche Anliegen mittels vorhandener Standards zu adressieren, die bereits heute von jedem Mail Transfer Agent im Netz unterstützt werden.

Page: 1 2 3

Silicon-Redaktion

View Comments

  • Viele Anti Spam Schutzmaßnahmen behindern erwünschte E-Mail Zustellungen.
    Viele Anti Spam Schutzmaßnahmen behindern erwünschte E-Mail Zustellungen. Seriöse Versender abonnierter E-Mail Newsletter müssen mittlerweile einen enormen Aufwand treiben, um die von den Empfängern bestellten, erwünschten und erwarteten E-Mails tatsächlich zustellen zu können.

    Immer neue und immer rigidere Anti Spam Schutzmaßnahmen treffen immer mehr falsche Ziele. Viele E-Mail Newsletter erreichen aufgrund von Spam Abwehr auf Provider Ebene nur noch 30 bis 60% ihrer Abonnenten. Ein Großteil der E-Mails wird bereits von den Servern der Internet Provider geblockt, bevor die Nachrichten zu ihren Empfängern gelangen.

    Nur einige wenige größere seriöse E-Mail Newsletter Dienstleister können es sich aufgrund des versendeten Volumens leisten, ständig ihre Versandtechnik den neuesten Anti Spam Methoden der Provider anzupassen. Und nur die großen, wirklich seriösen E-Mail Dienstleister schaffen es durch ständigen, aufwändigen Dialog mit den Internet Providern seriöse E-Mail Newsletter vor den Spamfallen zu schützen.

    Interessante Infos zu diesem Thema gibt es beispielsweise beim E-Mail Dienstleister infin: http://www.infin.de/service/index.php?page=VERS&mini=email
    Andere namhafte Dienstleister haben sicherlich auch noch Infos dazu.

    Schade ist allerdings, dass solche Dienstleister nicht ganz billig sind. Am Ende schaffen es dann doch hauptsächlich große Organisationen und echte Spammer, zu den Empfängern durch zu dringen. Hoffentlich wird das ja doch mal wieder besser!

  • Die Endanwender sind mit Schuld ...
    ... und solange sie meinen sich jedes Mail, dass die Spamfilter überstanden hat, sich auch ansehen zu müssen, solange werden solche Mails auch ihren Zweck erfüllen.
    Zusätzlich erlebe ich es immer wieder, dass Endkunden nicht einmal bereit sind 12? pro Jahr für ein vernünftiges Antivirus/Antispam-Programm auszugeben. Aber selbst wenn sie es haben sind immer noch viele nicht bereit es auch permanent laufen zu lassen, das behindert mich ja, bekomme ich dann zu Antwort.
    Denen ist halt nicht zu helfen, die müssen dann eben auch mit dem Spam leben und sollen nicht herumjammern wenn ihr PC von einem Bootnet gekapert wurde.

Recent Posts

Drei Viertel aller deutschen KMUs testen ihre Backups nicht regelmäßig

Obwohl ein Großteil der Unternehmen regelmäßig Backups durchführt, bleiben Tests zur tatsächlichen Funktionsfähigkeit häufig aus.

5 Tagen ago

RansomHub übernimmt kriminelles Erbe von LockBit & Co.

Laut ESET-Forschern hat sich die Gruppe RansomHub innerhalb kürzester Zeit zur dominierenden Kraft unter den…

1 Woche ago

GenKI: Deutsche Firmen international nur Mittelmaß

Damit hängt die hiesige Wirtschaft beim Einsatz der Technologie zwar nicht zurück, ist jedoch auch…

1 Woche ago

RedCurl-Ransomware attackiert Hypervisoren

Bitdefender-Labs-Analyse der ersten digitalen Erpressung von RedCurl zeigt, dass Angreifer lange unentdeckt bleiben wollen und…

1 Woche ago

Wenn Hacker Backups deaktivieren

Backup-Systeme haben in der Vergangenheit eine Art Versicherung gegen Angriffe geboten, doch Hacker versuchen nun,…

1 Woche ago

Hochwasserschutz mit Maschinellem Lernen

Forschende des Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  entwickeln erstes nationales Vorhersagemodell für kleine Flüsse.

2 Wochen ago