Bericht: Cyberkriminelle bezahlen Millionen Dollar für Zero-Day-Lücken

Der Sicherheitsanbieter Digital Shadows hat Kommunikation zu Zero-Day-Lücken in Hackerforen überwacht und ausgewertet. Dabei stellten die Forscher fest, dass für bestimmte unbekannte Schwachstellen Preise von bis zu 10 Millionen Dollar verhandelt werden, wie BleepingComputer berichtet. Solche Summen würden inzwischen nicht mehr nur von staatlich unterstützten Hackern, sondern auch von gewöhnlichen Cyberkriminellen bezahlt.

Im Mai bot demnach ein Nutzer 25.000 Dollar für einen Proof-of-Concept-Exploit für eine kritische Sicherheitslücke in Pulse Secure VPN, die bereits seit April von Angreifern ausgenutzt wurde. Ein andere Nutzer wollte indes bis zu 3 Millionen Dollar für eine Anfälligkeit bezahlen, die eine Remotecodeausführung unter Windows und Linux ermöglicht, und zwar ohne Interaktion mit einem Nutzer.

Solche Sicherheitslücken gelten tatsächlich als besonders wertvoll. So zahlt das auf den Ankauf von Zero-Day-Lücken spezialisierte Unternehmen Zerodium für einen vergleichbaren Bug in Windows 10 allerdings lediglich eine Million Dollar. Die höchsten Prämien bietet Zerodium für Schwachstellen, die es ohne Interaktion erlauben, eine Schadsoftware dauerhaft unter Android oder iOS einzurichten – 2,5 Millionen Dollar sind es für Android und 2 Millionen Dollar für iOS, wie BleepingComputer anmerkt.

Dem Bericht zufolge diskutieren Cyberkriminelle in den einschlägigen Foren aber auch Alternativen zum Kauf von Zero-Day-Lücken. So sollen sie sich auch mit dem Thema “Exploit-as-a-Service” beschäftigen, also der Möglichkeit, Zero-Day-Lücken an mehrere Parteien zu vermieten. Dies soll nach Ansicht von Digital Shadows auch eine Option sein, um eine Zero-Day-Lücke zu monetisieren, während deren Entdecker von auf einen passenden Käufer wartet.

Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die Redaktionen von Silicon.de und ZDNet.de. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

Recent Posts

Low Code, High Impact: Transformation von ISS Palvelut

Das finnische Facility-Service-Unternehmen ISS Palvelut hat eine umfassende Transformation seiner Betriebsabläufe und IT-Systeme eingeleitet.

1 Tag ago

Vorsicht vor verseuchten PDFs

PDFs werden zunehmend zum trojanischen Pferd für Hacker und sind das ideale Vehikel für Cyber-Kriminelle,…

1 Tag ago

KI transformiert die Fertigungsindustrie

Laut Teamviewer-Report „The AI Opportunity in Manufacturing“ erwarten Führungskräfte den größten Produktivitätsboom seit einem Jahrhundert.

2 Tagen ago

Hat die zunehmende Dominanz von Microsoft in der IT-Security Folgen?

Microsoft erobert zunehmend den Markt für Cybersicherheit und setzt damit kleinere Wettbewerber unter Druck, sagt…

4 Tagen ago

Frauen in IT-Führungspositionen stark unterrepräsentiert

Nur 14 Prozent der Führungskräfte in der IT sind weiblich. Warum das so ist und…

4 Tagen ago

Drei Viertel aller deutschen KMUs testen ihre Backups nicht regelmäßig

Obwohl ein Großteil der Unternehmen regelmäßig Backups durchführt, bleiben Tests zur tatsächlichen Funktionsfähigkeit häufig aus.

4 Tagen ago